zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2008

   Die Grundlagen  

5. Pflege und Pflegefehler bei Pflanzen in Hydrokultur

Pflanzen in Hydrokultur zu halten erspart einem NICHT, sich über deren Standortansprüche zu informieren. Nach wie vor muss man wissen, welche Pflanzen mit weniger Licht auskommen, welche einen hohen Lichtbedarf haben und welche keine pralle Sonne vertragen. Zugluft-Hasser werden in Blähton genau so ihre Blätter abwerfen wie in Erde. Auch Temperaturansprüche müssen selbstverständlich eingehalten werden, ebenso wie die mögliche Notwendigkeit einer Winterruhe. Was im Winter zu warm und trocken steht, wird in Blähton genau so zu Geilwuchs neigen wie in Erde und auch anfälliger für Schädlinge werden; lediglich Schmarotzer, die sich gern in Erde verkriechen, haben bei Hydrokultur schlechtere Karten. Zu kalte Temperaturen werden dafür weniger gut toleriert als unter dem Schutz einer puffernden Erdschicht, das wirkt sich besonders auf Pflanzen aus, die empfindlich auf "kalte Füße" reagieren. Deswegen muss besonders im Winterquartier darauf geachtet werden, dass der Nährlösungsstand nicht zu hoch wird (soll ja aufgrund der Winterruhe sowieso nicht!), denn wenn das Gewächs auch noch in kaltem Wasser steht, ist es evtl. nicht mehr zu retten.

Die korrekte Bewässerung ist insgesamt zwar einfacher als in Erde, da die Pflanzen sich nehmen, was sie brauchen; aber wenn man weiß, dass extrem wenig Wasser benötigt wird (z.B. von Kakteen und anderen Sukkulenten oder in Winterruhe), sollte man von vornherein die Füllhöhe der Nährlösung niedriger ansetzen - mit normalen Wasserstandsanzeigern nicht immer ganz einfach. Andernfalls läuft man Gefahr, dass einem die Pflanze von unten wegfault. Häufiger gießen muss man trotzdem nicht, da sie ja weniger verbraucht. Aber auch bei den durstigeren ist weniger oft mehr, wie schon beim Wasserstandsanzeiger erwähnt. Wer seine Pflanzen in Erde "ergießt", sollte in Hydrokultur besonders sorgfältig auf den Anzeiger achten und immer kontrollieren, ob ein Nachgießen wirklich schon erforderlich ist. Falsch verstandene "Vorratshaltung" schädigt auf jeden Fall die Pflanze, allein schon weil sie die in Blähton normalerweise hervorragende Belüftung der Wurzeln verschlechtert.

Bild 6: Die Ernährung der Pflanzen erfolgt genau wie bei der Haltung in Erde weitgehend über Luft und Wasser, ausreichende Lichtverhältnisse vorausgesetzt. Was noch fehlt, kann allerdings nicht dem Boden entnommen werden, weil das haltgebende Tonsubstrat steril ist und sich auch nicht zersetzt. Deshalb braucht man einen speziellen (und leider teuren) Dünger (empfohlen wird meistens der Ionenaustausch-Langzeitdünger HD 50). Bislang hatte keine meiner Pflanzen so exotische Nährstoff-Bedürfnisse, dass sie durch diesen Dünger nicht ausreichend versorgt worden wäre - die älteste gedeiht immerhin schon seit sechs Jahren, wobei ich sie zunächst lange Zeit überhaupt nicht gedüngt habe, weil ich nämlich keine Ahnung hatte *pfeif*. Trotzdem habe ich von eingefleischten Hydrokultur-Freaks gelesen, dass sie gelegentlich dem Gießwasser noch Flüssigdünger zusetzen; dummerweise gab es keine detaillierten Angaben, aus denen ich mir hätte ableiten können, was unter welchen Bedingungen erforderlich wäre. Also bin ich auf meine Beobachtungsgabe angewiesen und werde leider nur auf Mangelerscheinungen reagieren können.

Zu beachten ist beim Düngen mit HD 50 die Notwendigkeit von kalkhaltigem Gießwasser. Besteht man auf der Verwendung von (weichem) Regenwasser zum Gießen, entfällt der große Vorteil des Langzeitdüngers, weil dieser unter solchen Voraussetzungen nicht funktioniert und man dann wieder darauf achten muss, wann man dem Gießwasser welchen Flüssigdünger in welcher Dosierung zusetzt. Momentan empfinde ich es als sehr angenehm, das nur bei der Hälfte meiner Pflanzen betreiben zu müssen. Darüber hinaus muss man ohne den Langzeitdünger zusätzlich gezielt die nicht in der Luft vorhandenen Spurenelemente zuführen (und sich natürlich schlau machen, welche das in welcher Zusammensetzung sind); tut man das nicht, geht die Pflanze langfristig zugrunde, auch wenn die fehlenden Stoffe nur ein paar Prozent ihrer Gesamtmasse ausmachen. Diesen sicher sehr interessanten Artikel auf hydrotip.de über Düngung hab ich als Nicht-Chemikerin leider nicht verstanden, u.a. aus solchen Gründen ziehe ich es vor, mir über solche Fragen nicht den Kopf zu zerbrechen und mit Leitungswasser und dem immerhin sehr bequem zu handhabenden HD 50 zu arbeiten.

In den Schraubdeckel-Dosen, deren Inhalt vor dem Gebrauch nicht nass werden sollte, befinden sich kleine Kügelchen, die den Träger der Nährstoffe darstellen. Diese schaufelt man mit dem beiliegenden Messbecher auf den Boden des Übertopfes. Eine Dosis HD 50 reicht für drei bis vier Monate (Faustregel: Summe der Wuchshöhe der im Topf befindlichen Pflanzen in cm durch zwei geteilt, ergibt die Menge an erforderlichem Dünger in ml). Nach Ablauf der Wirkungsdauer ist noch die gleiche Menge Trägersubstanz vorhanden, nur enthält sie keine Nährstoffe mehr und muss ausgetauscht werden.

Alternativ zu der "Kügelchen-Form" gibt es auch noch Düngetabletten, die im Verhältnis noch erheblich teurer sind. Bei Pflanzen ab einer bestimmten Größe (solche hab ich noch nicht) ist deren Handhabung allerdings anscheinend soviel unkomplizierter, dass ihr Einsatz sich lohnt.

1. Einführung   2. Der Behälter   3. Der Wasserstandsanzeiger   4. Das Tonsubstrat (Blähton)   5. Pflege von Pflanzen in Hydrokultur   6. Umstellung von Pflanzen in Erde auf Hydrokultur   7. Vermehrung durch Stecklinge in Hydrokultur   8. Aussaat in Hydrokultur   9. Vor- und Nachteile von Hydrokultur   10. Irrtümer